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sen im Feuer hatte, ebenfalls erschienen bei Schmidt Spiele. Womit der für die Entwicklung zur Produktreife verantwort- liche Redakteur Thorsten Gimmler ein be- sonders feines Näschen bewiesen hat.
Die Jury hat „Die Quacksalber von Quedlinburg“ mit Rücksicht auf dessen auch für erfahrene Gelegenheitsspieler erstaunlich hohe Einstiegshürde zu Recht als Kennerspiel eingeordnet, ob- gleich die Abläufe nach ein, zwei Partien keine Probleme
mehr bereiten. Die Spieler bemühen sich, aus unge- wöhnlichen Zu- taten immer wie- der neue Tränke zu brauen. Nicht nach Rezept, son- dern nach dem Zufallsprinzip, in- dem sie aus ihrem Beutel Chips zie- hen. Je nach auf- gedruckter Zahl dürfen sie in ihrem Kessel voran zie- hen, um auf Felder mit vielen Sieg- punkten und Geld für den Einkauf neuer Zutaten zu gelangen.
Die neuen Zutaten kommen ebenfalls in den Beutel und verscha en diverse Vorteile. Zugleich verringern sie die Ge- fahr, allzu schnell zu viele der anfangs beigemischten Knallerbsen zu ziehen. Wer nämlich das Pech hat, damit auf eine Gesamtsumme von mehr als sie- ben Punkten zu kommen, dem fliegt sein Kessel um die Ohren, und er muss sich damit begnügen, vom erreichten Feld entweder Siegpunkte oder Geld zu nehmen. Dies erzeugt permanente Spannung und schickt die Teilnehmer auf eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der Jubel, Wehklage und Schaden- freude dicht beieinander liegen.
Der Titel „Ganz schön clever“ scheint nicht nur auf das Spiel, sondern auch auf seinen Autor gemünzt zu sein. Der sympathische Österreicher ist von Beruf
Molekularbiologe und in der Welt der Brett- und Kartenspiele zuvor erst mit zwei Titeln in Erscheinung getreten, die aber bereits Talent erkennen ließen. Um sich bei seinem Spiel als clever zu er- weisen, muss man die Ergebnisse von jeweils drei der sechs Farbwürfel so in die entsprechenden Bereiche eines Blattes eintragen, dass sich daraus nicht nur hohe Punktwerte ergeben, sondern auch Kettenreaktionen ausge-
löst werden.
Wird etwa eine
Reihe komplettiert oder ein bestimm- tes Feld erreicht, kann dies auch an- derswo einen Ein- trag erlauben oder die Befugnis ver- scha en, ein Wür- felergebnis noch einmal zu nutzen. Auf diesem Weg bekommen auch die Mitspieler Zu- gri  auf die vom ak- tiven Spieler ver- wendeten Würfel, während sie sich sonst mit einem der übrig gebliebenen Würfel begnügen
müssen. Felder mit Füchsen halten dazu an, keinen Farbbereich zu vernachlässigen, weil sie das schlechtes- te Teilergebnis ein wei- teres Mal in die Schluss- abrechnung einfließen lassen.
Mit seinem Co-Autor Andreas Schmidt ist auch Michael Kiesling eine weitere Nominie- rung zuteil geworden. Das bei eggertspiele er- schienene und von Pe- gasus vertriebene „Heaven & Ale“ führt in die Welt der Kloster- brauereien. Die für die Biererzeugung benötig-
ten Rohsto e müssen erworben und an geeigneter Stelle angebaut werden, um einen möglichst hohen Ertrag zu erzie- len. Allein schon die Entscheidung, ob ein Rohsto  oder ein Mönch als Ernte- helfer auf der Schatten- oder der Son- nenseite des Klostergartens platziert werden soll, will mit Rücksicht auf die Höhe des davon abhängenden Preises gut überlegt sein.
Zudem gilt es aufzupassen, bei der begrenzten Anzahl Wertungen zum Zuge zu kommen und sich nicht die Fassprämie für das Erreichen eines Zwischenziels entgehen zu lassen. Am Spielende zeigt sich, wie wichtig es ist, auch die Entwicklung des Braumeisters vorgetrieben zu haben. Denn dieser entscheidet sowohl über den Sieg- punktwert als auch darüber, mit welcher Quote der hinterste Rohsto marker auf der Produktionsleiste vorgerückt wer- den darf. All dies stellt hohe Ansprüche an Ressourcenmanagement und Timing und liegt deshalb an der oberen Grenze für ambitionierte Gelegenheitsspieler.
L.U. Dikus
www.spieldesjahres.com
Nominierte und Gewinner auf dem „Spiel des Jahres“-YouTube-Kanal:
2391 | SPIELMITTEL 53/20184

















































































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