MailAdminSpielzeugbranche aktuell

Seit 1980 ist der "BRANCHENBRIEF INTERNATIONAL - Spielzeugbranche aktuell" der Informationsdienst der Spielwarenbranche, bekannt unter dem Kürzel "BB". In konzentrierter Form bietet der "BB" topaktuelle Meldungen, Nachrichten, Kommentare und Hintergrundinformationen für alle Entscheidungsträger der deutschsprachigen Spielwarenbranche weltweit.

Branchenbrief aktuell

Sie lesen hier nur einen kleinen Auszug aus unserer Printausgabe.
Zum Kennenlernen bieten wir Ihnen ein kostenloses Schnupper-Angebot.

Übersicht
07.08.17: Spielzeugmärkte im 1. Halbjahr: USA / Welt + 3 %, D + 2 %
24.07.17: DVSI-Mitgliederversammlung in Altenburg
06.07.17: Goliath übernimmt Dracco-Vertrieb
06.07.17: Geschäftsführerwechsel bei Herpa
22.06.17: Kosmos übernimmt Globenhersteller Columbus


Ältere  Meldungen

Spielzeugmärkte im 1. Halbjahr: USA / Welt + 3 %, D + 2 %

07.08.17: In den USA wurden im ersten Halbjahr 3 % mehr mit Spielzeug umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Dies berichteten die Marktforscher der NPD Group. Das Jahr sei etwas langsamer angelaufen als 2016, doch damals hatte die Industrie vom Kinostart der siebten „Star Wars“-Episode profitiert; diese spielte im Inland mit knapp 937 Mio. US$ so viel ein wie kein anderer Film zuvor und ließ damit den Ableger „Rogue One: A Star Wars Story“ im Folgejahr mit 532 Mio. US$ weit hinter sich. Von elf analysierten Warengruppen konnten sich sechs verbessern, am deutlichsten Spiele und Puzzles (+ 24 %), die auch den größten Wertzuwachs verbuchten (+ 143 Mio. US$) und mehr als 40 % der industrieweiten Zugewinne beanspruchten. Innerhalb dieses Segments vollzogen Erwachsenenspiele einen Wachstumssprung um 267 %; rund die Hälfte der Wertzunahme entfiel auf strategische Kartenspiele, angeführt von „Pokémon“. Der durch die „Pokémon Go“-App losgetretene Hype um die virtuelle Monsterjagd ließ das Thema zur erfolgreichsten Lizenz der ganzen Branche werden und trieb die Einnahmen rund um „Pokémon“ gegenüber dem Vorjahr um 60 % nach oben. Als einen der maßgeblichen Gründe, warum der Markt für Plüschtiere um 13 % wuchs, sieht die NPD Group die „Hatchimals“, die Spin Master mit elektronischer Hilfe aus Eiern schlüpfen lässt. „Fidget Spinner“-Kreisel und ähnliche Produkte zur Fingerbeschäftigung mehrten die Erlöse der Sparte „alle anderen Spielwaren“ um 9 %. Verlierer waren im Halbjahr die Sortimente Kreativ- und Bastelspielzeug (ca. - 3 %), Elektronik (ca. - 8 %) sowie Actionfiguren und Baukästen, die jeweils etwa ein Zehntel weniger umsetzten; den letzten beiden Segmenten fiel es schwer, an die guten Vorjahresergebnisse mit Lizenzartikeln zu damaligen Kinofilmen wie „Star Wars“, „Batman v Superman“ oder den „Teenage Mutant Ninja Turtles“ anzuknüpfen. Spielfahrzeuge legten um rund 5 % zu, begünstigt durch den neuen Disney-Animationsfilm „Cars 3“, der vor allem ferngesteuerte und Mini-Fahrzeuge beliebter machte. Sammelartikel, die im Vorjahr förmlich explodiert waren, entwickelten sich nicht mehr ganz so dynamisch, kamen aber noch immer auf ein Wachstum von 21 % auf 819 Mio. US$; der Verkauf blickdichter Beutel mit Überraschungsinhalt nahm um 48 % zu.
In den ersten sechs Monaten erwirtschaftet die Branche für gewöhnlich nur ein Drittel ihres Jahresumsatzes. Für das Gesamtjahr rechnen die Marktforscher in den USA mit einem Plus von 4,5 %. Das zweite Semester steht erneut im Zeichen von „Star Wars“: Am 14.12. startet „Episode VIII - Die letzten Jedi“ und soll dabei helfen, die dafür nötige Umsatzsteigerung von 5 % zu realisieren. Im Gesamtjahr 2016 hatte der Markt in den Vereinigten Staaten um 5 % auf 20,4 Mrd. US$ zugelegt.
Auch der weltweite Spielwarenmarkt lag sechsmonatig 3 % über Vorjahr. Mit Abstand am schnellsten kletterten die Umsätze in Mexiko (+ 20 %) und Russland (+ 14 %) vor Belgien und den Niederlanden (gemeinsam + 8 %), Spanien (+ 7 %), den USA und Kanada (je +3 %). Deutschland kam auf eine Zunahme von 2 % und entwickelte sich damit besser als Italien und Frankreich (jeweils + 1 %). Einzig Großbritannien (- 1 %) und Australien (- 2 %) hatten unter den analysierten Märkten Rückgänge zu verbuchen. Einflussreichstes Spielzeugthema war wie auch in den USA „Pokémon“, dem es tatsächlich gelang, Disneys omnipräsentes „Star Wars“ auf Rang zwei zu verdrängen. Den drittgrößten Umsatz brachten Hasbros „Nerf“-Blaster ein, gefolgt von Mattels „Barbie“, Spin Masters „Paw Patrol“-Hunden, dem DC-Comichelden „Batman“, Mattels „Hot Wheels“-Autos, den „Lego City“-Baukästen und Legos „Star Wars“-Sets. Platz zehn eroberten die aus Deutschland stammenden Spielwelten von Playmobil.
Global wurden 15 % mehr mit Sammelartikeln eingenommen, wozu die „Pokémon“-Karten, die „L.O.L Surprise“-Sammelpuppen in Überraschungskugeln von MGA Entertainment und Spin Masters „Hatchimals“ beitrugen. Sammelprodukte machten inzwischen fast ein Zehntel des Gesamtmarktes aus. Deutlicher verbesserten sich nur Spiele und Puzzles (+ 19 %). Die Warengruppe der „sonstigen“ Spielwaren legte in erster Linie durch die „Fidget Spinner“ um 10 % zu, Outdoor- und Sportartikel um 2 %. Nicht ganz so viel Boden wie in den USA verloren weltweit die Baukästen (- 6 %) und Actionfiguren (- 9 %). Wie die NPD-Analystin Frédérique Tutt sagte, habe sich vor allem bei den „Fidget Spinnern“ gezeigt, welche Wirkung die sozialen Medien bei der Verbreitung eines neuen Trends haben können; so entdeckten Verbraucher Spielzeugneuheiten in allen Ländern gleichzeitig. Für die Industrie sei diese Beschleunigung sowohl eine Gelegenheit als auch eine Herausforderung. Das Gesamtjahr soll der Weltmarkt laut NPD-Group-Vorhersage mit einer Steigerung um 4 % beenden. Spielzeugaffine Kinofilme wie „Cars 3“, „Transformers“ oder „Spider-Man“ sollen sich wieder einmal als Wachstumstreiber bewähren.

DVSI-Mitgliederversammlung in Altenburg

24.07.17: Seine jüngste Mitgliederversammlung hielt der Deutsche Verband der Spielwaren-Industrie am 6.7. beim angeschlossenen Spielkartenhersteller ASS Altenburger im thüringischen Altenburg ab. Verbandsgeschäftsführer Ulrich Brobeil zählte zu den wichtigsten Themen den Datenschutz, die Digitalisierung, Absatzstrukturen, die Produktverantwortung der Unternehmen, die Sicherheit von Spielzeugen und die Entwicklung alternativer Materialien [etwa um erdölbasierte Kunststoffe zu ersetzen, d. Red.]. Zu Gast war Georg Maier (SPD), Staatssekretär im Thüringer Wirtschaftsministerium, der die emotionale Bedeutung des Spielens betonte; weiter sprach er die Veränderungen durch die Digitalisierung von Betriebsabläufen an und lobte den Mittelstand, da dieser oft zukunftsfähiger aufgestellt sei als große Konzerne. Catherine van Reeth, Generaldirektorin des europäischen Verbandes Toy Industries of Europe (TIE), informierte über neue Produkt- und Sicherheitsvorschriften der EU. Im Vortrag „Die Rosa-Hellblau-Falle“ plädierten die Autoren Almut Schnerring und Sascha Verlan dafür, im Kinderzimmer stereotypische Geschlechterklischees hinter sich zu lassen.
Der DVSI gab auch die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung bekannt. So hätten 98 % der Rückmeldungen die Zusammenarbeit mit der Nürnberger Geschäftsstelle als gut oder sehr gut bezeichnet, weit mehr als im Jahr 2013 (57 %) und auch mehr als im Jahr 2015 (90 %). Insgesamt gaben die Befragten der Kooperation mit ihrem Verband die Note 1,6. 70 % der Umfrageteilnehmer hatten sich schon einmal in einem Gremium an den DVSI-Aktivitäten beteiligt. Neben einem engeren und einem erweiterten Vorstand sind Firmenvertreter auch in Fachgruppen rund um Modellbahnen, Gesellschaftsspiele, Holzspielzeug und Textilien / Plüsch / Puppen organisiert, bilden Fachausschüsse zu Technik und Kommunikation, tauschen sich über unternehmerische Verantwortung in ihrer Lieferkette aus, vernetzen den Führungsnachwuchs und treffen sich zum Motorradfahren ebenso wie zum Fußballspielen. Der frühere DVSI-Justitiar Brobeil hatte die Führung im Oktober 2012 übernommen, Ende 2014 zog die Geschäftsstelle von Stuttgart in die „Spielzeugstadt“ Nürnberg.
Altersbedingt schied Hermann Otten (Ravensburger) aus dem engeren DVSI-Vorstand aus. Zu seinem Nachfolger wählten die Mitglieder Felix Stork (32), Corporate Marketing Director der Fürther Simba Dickie Group, der das übrige Gremium mit Paul Heinz Bruder (Bruder), Frédéric Lehmann (Lego), Frank Schneider (rolly toys) und Jörg Vallen (Busch) ergänzt. Der erweiterte Vorstand blieb unverändert mit Christian Alsbaek (früher Epoch Traumwiesen, jetzt Hongkonger Babyartikelanbieter Goodbaby International mit Niederlassung in Bayreuth), Daniel Barth (Steiff), Beate Becker (Heless), Ulrich Hirsch (Clementoni), Dr. Rainer Noch (Noch) und Sven Rathgeber (Rathgeber GmbH).
Die nächste Versammlung wurde für den 4.-5.7.2018 in Nürnberg anberaumt. Mitte Juli ist außerdem der Mitgliederbericht 2017 des DVSI erschienen. Er fasst die Verbandsarbeit der letzten zwölf Monate hinsichtlich Kommunikation, Interessenvertretung, Kooperationen, Mitgliedschaften, Mitgliederaustausch, Services, Spielzeugsicherheit, Projekte und Finanzen zusammen. Unter letzterem Punkt wird auch noch einmal die Verbandsbilanz zum Jahresende 2016 aufgeschlüsselt: An Einnahmen verzeichnete der DVSI rund 653.000 € aus Mitgliedsbeträgen und erhielt 246.000 € für seine Dienstleistungen, sodass sich zusammen mit anderen Einkünften ein Ertrag von 912.000 € ergab. Da etwas mehr ausgegeben als eingenommen wurde (920.000 €, davon 450.000 € für die Geschäftsstelle, 294.000 € für Fremdleistungen, 81.000 € für Mitgliedschaften, 44.000 € für Veranstaltungen), blieb ein Fehlbetrag von 8.000 €. Der vollständige Bericht ist online abrufbar: www.dvsi.de/images/publikationen/DVSI_Mitgliederbericht_2017.pdf

Goliath übernimmt Dracco-Vertrieb

06.07.17: Im Zuge einer Vertriebspartnerschaft übernimmt zum 1.8. der niederländische Spiele- und Spielzeughersteller Goliath die deutsche Distribution für Dracco, Hongkonger Eigentümer des Pferde-Sammelthemas „Filly“. Goliath will damit seinen bisherigen Expansionskurs fortsetzen, nachdem man bereits 2014 die Spieleverlage Pressman in den USA und Crown & Andrews in Australien sowie 2017 den neuseeländischen Spielzeugvertrieb Elephanta übernommen hatte. Draccos Lizenzmarke „Filly“ umfasst neben Spielwaren unter anderem auch Zeitschriften, Musik-CDs, Accessoires und Kleidung. Zu den Ponys der Linie „Royal“ kamen die neuen Serien „Ballerina“ und „Wedding“ hinzu. In der Fernsehwerbung legt man das Hauptaugenmerk auf die Produkte „Schwanentanz“ und „Schwanenpalast“. Angesichts der Wichtigkeit des deutschen Marktes für die Spielwarenbranche sieht Dracco in der Partnerschaft mit Goliath gute Chancen, der Marke zu „neuer Stärke“ zu verhelfen, so Draccos Vice President Lykke Skovfoged. Seit 2014 hatte Dracco die Ponys selbst in Deutschland vertrieben, nachdem die Kooperation mit Simba-Dickie ausgelaufen war.

Geschäftsführerwechsel bei Herpa

06.07.17: Der Diplomingenieur Walter Winkler (60) ist neuer Geschäftsführer des Modellherstellers Herpa in Dietenhofen. Er gehört dem Betrieb seit über 25 Jahren an, zuletzt war er Konstruktionsleiter und stellvertretender Geschäftsführer unter Thorsten Koss. Zu seinem Stellvertreter wurde Bertram Breitenbach (39) ernannt, bislang Bereichsleiter für Produktmanagement / Vertrieb und Prokurist. Koss, der seit Anfang 2016 für Herpa verantwortlich war, hat das Unternehmen verlassen.

Kosmos übernimmt Globenhersteller Columbus

22.06.17: Kosmos, Stuttgarter Verlag für Gesellschaftsspiele („Catan“), Experimentierkästen und Kinder- / Jugendbücher, hat zum 1.4. eine Mehrheit am Columbus Verlag erworben, dem laut eigenen Angaben ältesten aktiven Hersteller von Globen und Marktführer in seinem Bereich. Am schwäbischen Columbus-Sitz Krauchenwies mit seinen rund 40 Mitarbeitern sollen demnächst auch Spritzgussteile für das Kosmos-Spielzeugsortiment produziert werden. Nach der ersten frei schwebenden Weltkugel und dem mit 2 Metern Durchmesser größten seriengefertigten Globus überhaupt ist die jüngste Neuheit ein digitaler „Entdeckerstift“, der Audiodateien und auf dem Smartphone oder Tablet kurze Videos abspielt, wenn man mit ihm die einzelnen Länder antippt. Mit dieser Idee tritt man gegen Konkurrenzprodukte wie den „tiptoi“-Globus des gleichnamigen Elektronikstifts von Ravensburger an. Kosmos seinerseits hofft darauf, mit dem Zukauf neue Kunden im Reisebereich wie auch bei Bildungs- und Kindermedien zu gewinnen. Columbus-Produkte, darunter 30-€-Modelle und handkaschierte Tischvarianten aus Kristallglas bis hin zu Spezialanfertigungen im Wert von mehr als 25.000 €, werden jetzt über die Kosmos-Distribution international vertrieben, in den USA und Großbritannien über die Tochtergesellschaft Thames & Kosmos. Der Katalogumfang soll auf 10 bis 15 Artikel schrumpfen. Neu gibt es für Grundschüler einen „Tag & Nacht Globus“. 2014 hatte Kosmos Wissenmedia Mapworks übernommen, einen Spezialisten für die Erstellung geografischer Karten. Armin Sinnwell, ehemaliger wissenmedia-Manager, leitet Columbus künftig zusammen mit Torsten Oestergaard, einem Mitglied der Columbus-Gründerfamilie, und Kosmos-Chef Michael Fleissner. Laut Oestergaard sei ein Grund für den Zusammenschluss die Familienführung beider Firmen gewesen; der Zusammenhalt in Familienunternehmen sei ein anderer, und der Blick richte sich auf eine langfristige und damit nachhaltige Entwicklung.
Ältere  Meldungen